Cattani Michele

michele-cattaniMichele Cattani, geboren 1974 in Bozen, fühlte sich bereits vom Kleinkindalter an extrem stark dem Thema Sport verbunden. Diese Liebe führte ihn im Kindes- und Jugendalter über zahlreiche Sportarten (v.a. Fußball, Schi, Langlauf) zum Studium der Sportwissenschaften in Innsbruck und Granada (ESP). Nach Studienabschluss war er über mehrere Jahre im Sportsponsoring mit Spitzensportlern im Lauf-, Schwimm- und Triathlonbereich tätig. Dadurch konnte er sehr gute Einblicke in die Wichtigkeit und Komplexität sämtlicher Komponenten der sportlichen Leistungsfähigkeit erhalten. Aufgewachsen in Niederdorf, wohnhaft und verheiratet in Kaltern, ist Mike nach ausgiebiger beruflicher und privater Reisetätigkeit nun als Sportlehrer an einer Oberschule tätig (Teilzeit). Zum anderen Teil ist er in der Stiftung Vital für den Bereich ´Bewegung´ verantwortlich und leitet nebenher Kurse und Seminare für verschiedene Verbände.
Früher etwas engstirnig einige Sportarten intensiv ausübend, erkannte Mike durch das Studium die Faszination der Vielfalt der Sportarten. Mittlerweile sucht er vermehrt die Bewegung in der Natur (Tourenschi, Schi, Langlauf, Klettern, Wellenreiten, …). Zudem experimentiert er gerne mit verschiedenen Trainingsmethoden und stellt sich deshalb immer wieder auch neue Ziele in Ausdauersportarten: von Marathons mit dem Mountainbike und im Laufen (ein einziger, der allerdings unter 3:00 h) bis hin zu verschiedenen Triathlons.

Frage: Mike, Dir möchten wir gerne eine trainingswissenschaftliche Frage stellen. Kannst Du uns erklären, welchen Einfluss ein gezieltes Krafttraining auf die Ausdauerleistungsfähigkeit hat?

Antwort: Bei der Ausdauer und der Kraft handelt es sich um zwei verschiedene motorische Eigenschaften. Möchte ich nun primär lediglich eine einzige dieser Eigenschaften wesentlich verbessern, muss ich solche Trainingsmethoden anwenden, die es mir erlauben, mich auch genau in der gewünschten Eigenschaft zu verbessern. Einfach ausgedrückt hat es wenig Sinn auf einen Marathon zu trainieren, und im Zuge des Trainings regelmäßig ein Krafttraining einzubauen, welches mit maximalen Widerständen und geringer Wiederholungsanzahl durchgeführt wird (sog. IK-Training, Intramuskuläres Koordinationstraining als Teil des Maximalkrafttrainings). Sprinter und Gewichtheber werden je nach Periode öfters ein derartiges Training einbauen, welches sehr stark vom Zentralnervensystem (ZNS) gesteuert wird. Also muss sich ein Ausdauersportler die Frage stellen, ob und welche Art von Krafttraining auch für ihn und die eigene Leistung von Vorteil ist. Allen ist klar, dass ein Lauf im flachen Gelände die Kraft der Beinmuskulatur weniger beansprucht als ein Berglauf. Demzufolge wäre für einen Läufer auf ´flachen Langstrecken´ ein Berglauf wie ein Ausdauer- und Krafttraining zugleich. Damit hätten wir auch schon die Verbindung von Ausdauer und Kraft: nämlich die Kraftausdauer. Die meisten wissenschaftlichen Untersuchungen sprechen Klartext: ein gezieltes Kraftausdauertraining kann die Ausdauerleistungsfähigkeit verbessern. Die positiven Effekte eines regelmäßigen Kraftausdauertrainings beginnen bereits in der besseren Stabilisierung im Becken- und Hüftbereich: Dadurch wird meine Laufbewegung ´geschmeidiger´ und ökonomischer (d.h. ich verbrauche weniger Energie). Wenn die Beinmuskulatur über die nötige Kraft verfügt, schaffe ich es zudem, auch die Schritte zu vergrößern, d.h. dass ich für die Wettkampfdistanz weniger Schritte brauche.

Was den Stoffwechsel betrifft, wird die Laktattoleranz größer, die Enzymaktivität verbessert sich und ich schaffe es mit einer etwas höheren Intensität die vorgegebene Strecke zu bewältigen. Dazu sollte ich zunehmend auch auf die Nahrungszufuhr achten. Höhere Intensität bedeutet auch genügend vorhandene Glykogenvorräte (= ´gespeicherte Kohlenhydrate´) im Muskel und der Leber: durch Kraftausdauertraining vergrößern sich diese Energiespeicher auch. Kurz gesagt, muss ein Langstreckenläufer über eine gute Grundlagenausdauer (Fettstoffwechsel) verfügen, um dann auch imstande zu sein, höhere Intensitäten über längere Distanzen durchzuhalten (Glykogen). Auch Intervalltraining kann im Vergleich zur Dauermethode bereits als Kraftausdauertraining gesehen werden. In einem sinnvoll gestalteten Kraftausdauertraining als Ergänzung zum eigenen ausdauerorientierten Trainingsplan sollten jene Muskelgruppen trainiert werden, die im Wettkampf benötigt werden; zudem auch jene Muskeln, die zur Vermeidung muskulärer Dysbalancen beitragen. Erfolgt Kraftausdauertraining mit zusätzlichen Gewichten, sollten diese 30-50% der Maximalkraft nicht überschreiten. Je nach Sportart, Muskelgruppe und vorhandenen Geräten werden 3-4 Serien zu 15-30 Wiederholungen mit einer zügigen Bewegungsgeschwindigkeit vermehrt im aeroben Bereich als sinnvoll erachtet. Als physiologische Wirkungen im Hinblick auf die Verbesserung der Ausdauerleistungsfähigkeit eines zielgerichteten systematischen Kraftausdauertrainings werden häufig angeführt:

- Erhöhung der Säuretoleranz
- Verbesserung der Erholungsfähigkeit nach Belastungen
- Verbesserung des laktiziden und aeroben Stoffwechsels
- Kapillarisierung und Mitochondrienvermehrung
- Vergrößerung der Muskelglykogenspeicher
- Verbesserung der Herzarbeit